Donnerstag, 3. Juli 2014

Warmer Zug gegen kalten Gotthard




Es ist Montag der 30. Juni 14, 7.50 Uhr in der Früh, als sich die sportbegeisterten Schüler und Schülerinnen der NMS Bern am Hauptbahnhof treffen. Sie haben das Ziel, eine sportintensive und dennoch schöne Woche im nationalen Jugendsportzentrum in Tenero zu verbringen. Auf dem riesigen Gelände dieses Sportzentrums hat man die Möglichkeit, sämtliche neuen, wie auch bereits bekannte Sportarten auszuüben und auszuprobieren. Ausserdem scheint auch das Wetter mitzuspielen und es ist im Gegensatz zur restlichen Schweiz überdurchschnittlich warm und sonnig. Während sich die einen entschieden mit dem Velo über den Gotthard zu fahren und so nach Tenero zu gelangen, fuhren die anderen gemütlich mit dem Zug. Die erste Station war Zürich, wo wir nach ca. einer Stunde auch ankamen. Nach einer kurzen Aufenthaltszeit ging es dann auch schon weiter Richtung Bellinzona. Auf diesem Abschnitt der Reise erfreute sich Vincenz L. an der Gesellschaft von einigen jungen Zürcherinnen. Nach geschlagenen 2.5 Stunden erreichten wir schliesslich Bellinzona und fuhren direkt mit der S-Bahn in Tenero ein. 

Im Sportzentrum Tenero gibt es viele Regeln und Vorschriften, um den Alltag möglichst sportlich absolvieren zu können. Beispielsweise darf man sich auf dem Areal nach 22.00 Uhr nicht mehr laut aufhalten und der Konsum von alkoholischen Getränken ist strikt untersagt und wird mit Rauswurf bestraft. Übernachten kann man auf dem Campo auf zwei Arten, entweder in den komfortablen Gruppenhäusern oder auf dem Campingplatz. Während wir die Zelte noch aufstellten, befand sich die Velogruppe bereits auf dem Gotthardpass. Die Zelte stehen also. Nun stellt sich heraus, dass ein Zelt auf der Strecke geblieben ist. Es gehört Nicolas G. Er wird sein Zelt nie wieder sehen.

Die Route von Hospenthal bei Andermatt nach Biasca über den Gotthard


Ein anderer Weg ins Tessin führt über die alte Gotthard-Passstrasse. Während sich die Mehrheit der Teilnehmenden auf dem gemütlicheren Weg mit dem Zug in die dritte Sprachregion der Schweiz begaben, nahm ein kleiner Teil der Gruppe die Strapazen der Gotthardpasstrasse mit dem Velo auf sich. Die kleine Gruppe bestehend aus drei Frauen, drei Männern und einem Lehrer trat die Reise morgens um 8.07 Uhr in Richtung Hospenthal an, um dort auf die Velos umzusteigen.
Das Team vor der Abfahrt
Nicolas G., Jonathan M., Nora S., Rémy D., Mara G., Miriam D. (v.l.n.r.)



Einer der Teilnehmer, Rémy D. (18) trug gar sein Zelt über den 2100 m hohen Pass. Es sei folglich auch „eine Folter für die Beine“ gewesen, so Rémy D.
Unterwegs machte den Radfahrern vor allem die grosse Kälte zu schaffen. Nach etwa 9km Aufstieg war die Temperatur bereits auf 8 Grad Celsius gefallen, oben auf der Passhöhe waren es nur noch 4 Grad. Da die meisten Teilnehmenden durchgeschwitzt und in leichter Radbekleidung waren, begann bald ein grosses Zittern. Zudem hatte man noch gegen eine starke Bise zu kämpfen.

Die Sportler auf der Gotthard-Passhöhe


Nach der feierlichen Ankunft auf dem Pass, für die sich die Radler mit einem Kaffee und Nussgipfel aus der Region belohnen liessen, machte man sich auf den Rückweg. Es traten einige Probleme beim Bremswerk einiger Velofahrer auf, als sie die alte Passstrasse herunter rasten.
Die Tour lief bis zur gefährlich berüchtigten Abfahrt auf der alten Stein-Passstrasse reibungslos ab, als Jonathan M. bei einer Wende zu sehr in die Kurve lag und sich das Kettenrad im Boden verhakte und das Velo urplötzlich bremste. Der Schutzengel hat dort ordentlich mitgearbeitet. Hinter dem Verunfallten folgte nämlich eine „Töff“-Gruppe, die es jedoch noch schaffte, vorher auszuweichen.

Die berühmte Abfahrt vom Gotthard

Nach der Passstrasse,  die den Beteiligten trotz Anstrengung zu gefallen schien, hatten sie eine lange gerade Strecke vor sich. Kurzfristig wurde beschlossen, die Route zu verändern und, aufgrund der Zeitverzögerungen, durch beispielsweise einen demolierten Pneu, die Strecke nur bis Biasca zu beschränken.
Da das grosse Ziel aber immer noch Tenero war, suchte man sich bei einer Glace die nächste Zugverbindung raus. Man musste einen Umstieg in Bellinzona hinnehmen und von den geräumigen Regiozügen auf einen extrem Velo-unfreundlichen Zug umsteigen. In Tenero entdeckten die Sportler ihre Mitschüler allesamt am See und fanden das Zeltcamp verlassen vor. 

Bei Nicolas G. brach grösserer Unmut aus, als er sah, dass sein Zelt offenbar verloren ging. Aber der Teamgeist war die ganze Zeit präsent und deswegen fand Nicolas G. dann sehr schnell auch noch einen Schlafplatz. Nachdem auch die Zelte der Nachzügler gestellt waren, ging es Richtung „Gottardo“ – dem Essensgebäude – zum wohlverdienten Nachtessen.

Einige Eindrücke in Bildern:

Remy D. bei einer Trinkpause an einem Bergsee bei der Bergfahrt

Die Passstrasse, welche mit den schwierig zu befahrenen Pflastersteinen besetzt ist

Der Bergsee auf der Gotthard-Passhöhe

Ein Teil des Teams auf der Zugfahrt nach Bellinzona

Nicola Geissbühler
Jonathan Möri
Raphael Casablanca
Nicolas Vischer

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